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Es liegt in der Natur psychischer Phänomene, dass nicht nur Gesetze des Einzelpsychischen auf das Kollektivpsychische übertragen werden können, sondern auch, dass gewisse für beide Gebiete geltende Gesetze sich zuerst an der Kollektivpsyche wahrnehmen lassen. In bezug auf Gesetze, die Ergebnisse der Psychoanalyse sind, gilt der Satz vom geringeren Widerstand auf seiten der Kollektivpsychologie häufig in ganz eklatanter Weise. Um ein krasses Beispiel zu nennen: Kein seriöser Gelehrte kann den sexualsymbolischen Gehalt der Schlangenvorstellung im jüdisch-christlichen Mythus bestreiten, hingegen stösst diese Deutung in der Traumpsychologie noch auf unverkennbaren Widerstand. Es liessen sich Beispiele ins Unendliche reihen. So weiss jeder Kenner des jus primae noctis, dass auf gewisser Entwickelungs- oder richtiger Verkümmerungsstufe dieser Institution der Gutsherr nur das Recht hatte, seinen entblössten Fuss ins Brautbett seines Leibeigenen zu legen, dass der Fuss also offensichtlich („offensichtlich"!) ein Symbol des männlichen Gliedes ist. So kann jedem, der sich mit indoeuropäischen Mythen beschäftigt, leicht klar gemacht werden, das reich und zeugungsfähig parallele Vorstellungen sind; bedarf der mit Gold gefüllte Stab, den Brutus zu Delphi weiht, noch einer Deutung? Und wird nicht mancher, der die sexualsymbolische Deutung von Erde und Pflug für die Einzelpsyche zurückweist, vor der durchsichtigen Symbolik etruskischer Kunstdenkmäler kapitulieren. Die Parallele mit der von