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Der Psychoanalytiker hat häufig genug Gelegenheit, zu beobachten, dass die Neurotiker zu den klimatischen Faktoren sonderbare Beziehungen haben. Das Wetter, die Landschaft, das Gewitter, sie spielen eine grosse Rolle bei der Projektion von Lust und Unlustempfindungen nach aussen. Wer einmal einen an Gewitterangst leidenden Kranken beobachten und analysieren konnte, der wird wohl fassen können, wie die Angst vor dem Vater, vor dem irdischen und himmlischen, ebenso wie die Angst vor der Strafe des Himmels plastisch zum Ausdruck kommt. Die Art und Weise, wie wir die Natur symbolisieren, wäre auch einer geschlossenen Darstellung wert. Von tieferem psychologischem Verständnis für diese Fragen, von einer zusammenfassenden, durch anthropologische und mythologische Forschungen gestützten Darstellung dieser wichtigen Themen findet sich in dem Buche von Willy Hellpach keine Spur. Der Verfasser, der sich sonst nicht ohne Erfolg bemüht hat, psychologischen Zusammenhängen nachzuspüren, bietet eine hübsche Zusammenstellung von allem, was wir bisher gewusst haben. Eine rühmenswerte Ausnahme bildet das Kapitel „Die Synthese des Landschaftsbildes”, das auch die „Ethisierung der Landschaft” behandelt. „Je ärmer unser gesellschaftliches Dasein an sittlichen Konflikten grossen Stils wird, desto mehr bereichern wir damit, versittlichen, ethisieren wir die Natur.” Hellpach kommt zum Schlusse: „Die moderne Ethisierung der Landschaft ist also, psychologisch genommen, ein assimilativer Prozess.”
Stekel.