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Das Urteil Prof. Messmer's ist für uns Analytiker um so bedeutsamer, als es sich auf der Grundlage genauester Kenntnis der bisherigen psychologischen und pädagogischen Leistungen erhebt. In seinen Werken „Lehrbuch der Psychologie für werdende und fertige Lehrer” (Leipzig 1909) und „Grundzüge einer allgemeinen Pädagogik und moralischen Erziehung” (3 Bde., Leipzig 1909) hat sich Messmer als ebenso gründlichen und gelehrten, als scharfsinnigen Forscher ausgewiesen.
Der hier zu besprechende Aufsatz gipfelt in einem begeisterten Lob der Psychanalyse. Ausgehend von der Ablehnung des Exaktheitsfanatismus, der sich in experimentellen Messungen erschöpft, hebt Messmer diejenigen wissenschaftlichen und praktischen Bedürfnisse hervor, die durch qualitative Untersuchungen befriedigt sein wollen. Während aber Külpe und seine Schule sich mit Querschnitt-Analysen begnügen, wendet sich die Psychanalyse der Vergangenheit des Individuums zu, um genetisches Verständnis für seinen gegenwärtigen Zustand zu gewinnen. Dabei ist sie Forschung und Heilung zugleich.
Während die experimentelle Psychologie an das im Bewusstsein der Versuchspersonen Vorhandene notgedrungen gebunden war, wendet sich die Psychanalyse mit Recht dem Unbewussten zu, aber nur einem solchen, das früher bewusst war. So kommt sie zu einer Tiefenpsychologie.
In seiner Darstellung der psychanalytischen Methode folgt Messmer im wesentlichen dem Buche von Hitschmann. Wie verständnisvoll er seinem Gegenstand gerecht wird, zeigen u. a. die Sätze:
„Man lese nur einmal das I. Heft der „Diskussionen des Wiener psychoanalytischen Vereins”, das unter Mitwirkung eines Pädagogen die sehr aktuelle Frage des Selbstmordes und besonders des Schülerselbstmordes behandelt. Selten findet sich in einer berufs-pädagogischen Zeitschrift so viel konzentrierte Erziehungsweisheit beieinander und völlig frei von schablonenhafter, durch lange Tradition verholzter Systematik” (S. 281).