You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ein sehr umfangreiches Lehrbuch der Psychoneurosen (beinahe 700 Seiten stark), das der Autor nach einer 26 jährigen psychiatrischneurologischen Tätigkeit den Fachgenossen vorlegt. Er teilt die Psychoneurosen in drei Gruppen: Neurasthenie, Hysterie, Psychasthenie. Neurasthenie ist krankhafte Veränderung des Gefühlslebens mit Steigerung der depressiven Gefühlsvorgänge und ihrer körperlichen Audruckserscheinungen; Hysterie ist „erhöhte Affektabilität mit Störung der normalen Verknüpfung der Gemütsbewegungen mit bestimmten Ausdruckserscheinungen”; zur Psychastheniegruppe rechnet er die Zwangsvorstellungen, die Zwangshandlungen (die er als besondere Einheit anführt), die Tic's, „Triebhandlungen” (Alkoholismus, Morphinismus, „Trieb zu Unfug und Torheiten”, verbrecherische Triebe) und schliesslich die sexuellen Perversitäten. — Wir sehen, dass es dem Autor zwar gelungen ist, einige Krankheitsbilder aus dem „Sammelstopf der Neurasthenie” zu isolieren, dass er aber dafür alles in den neuen Sammeltopf der Psychasthenie geworfen hat, in dem man heutzutage die heterogensten psychischen und nervösen Störungen zusammenwirft, und so tut, als ob die Prägung dieses neuen Namens einen Fortschritt in unserer Erkenntnis bedeutete.
Die Angstneurose Freud's beschreibt Dornblüth ausführlich, rechnet sie aber zur Neurastheniegruppe, was der Freud'schen Terminologie gar nicht entspricht; ebenso unstatthaft ist es nach unserer Ansicht, wenn der Autor „gewisse Fälle von Astasie-Abasie” und die Akinesia algera (Möbius) zur Neurasthenie zählt; diese sin rein psychogene (hysterische) Zustandsbilder. Der unvollkommener Kenntnis der Angsthysterie ist es auch zuzuschreiben, dass Dornblüth die meisten Phobien als neurasthenische Zeichen beschreibt. Gut und übersichtlich ist die Darstellung der körperlichen Erscheinungen der Neurasthenie. — Bei den „neurasthenischen Sprachstörungen” werden Freud's Entdeckungen über die Psychopathologie des Alltags hervorgehoben.
Als Ursachen der Psychoneurosen untersch