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Ein durchaus erfreuliches Buch. Was es über das Tragische und seinen Zusammenhang mit dem Unbewussten sagt, führt tiefer hinab in verborgene Tiefen menschlicher Psyche als manche berühmte ästhetische Abhandlung. Die Ursache des Tragischen liegt im Einbruch des unethischen und unlogischen Unbewussten ins Bewusstsein. An Hand dieser Definition werden aphoristisch, aber mit glücklichstem Griff die Schicksale eines Brutus, einer Lady Makbeth, einer Rhodope, Judith, Medea abgeleuchtet Die unbewusste Instanz des Seelenlebens wird als Motiv gezeigt, wodurch das Unmögliche zum Ereignis wird.
Der Mechanismus, der in den Gestalten der Dichter waltet, wird aufgedeckt und seine Bezüge zum allgemeinmenschlichen Seelenleben geklärt.
Das Theater nimmt nicht mehr den Raum in unserem Leben ein, den es bei den Hellenen besass. Immerhin: an allen Ecken und Enden trifft man Leute, deren geistiger Horizont mit den Brettern verschlagen ist, die ihnen die Welt bedeuten.
Freilich: hier ist der Punkt, wo die Forschung einsetzen müsste: in der Wirkungsweise der Kunst. Sie beruht auf dem Gefühl, das sich etwa ausdrücken liesse in den Worten: Tua res agitur …Das Problem des Tragischen — von der Seite des Zuschauers gesehen — taucht auf, das schwierigste der ganzen psychologischen Ästhetik. Der psychische Mechanismus der Katharsis ist trotz Aristoteles und Lessing noch ungeklärt Vielleicht würde auch hier die psychoanalytische Betrachtungsweise weiterhelfen.
Wittels streift dieses Problem gerade. Aber manche Sätze, die aufblitzen, erleuchten es schärfer als viele dicke Bücher einschlägigen Inhaltes.