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Dem grossen Wert dieses Buches dürfen kleine technische Mängel, wie überflüssig genaue steckbriefartige Personsbeschreibungen und eine gewisse Oberflächkeit, mit der zum Schluss manches in der Exposition breit aufgerolltes Menschenschicksal einer allzu raschen Lösung zugeführt wird, keinen Abbruch tun. Dieses Werk ist ein Kulturdokument unserer Zeit, an dem ein späterer Schilderer ihrer geistigen Strömungen und deren Ursachen nicht achtlos wird vorübergehen können. Wirkungsvoll und anschaulich wird das ganze Wesen jener „Intellektuellen” geschildert, die, den Schichten des breiten Bürgertums durch ihre geistigen Sonderforderungen und Ansprüche entfremdet, vom Proletariat und seinen modernen Massenbestrebungen aber durch eben diese eher geistig-aristokratischen Tendenzen unüberbrückbar getrennt sind. Dabei finden sich ganz wunderbare Stellen, die ohne besonderen Zusammenhang mit jener Grundtendenz, viel erörterte und allgemeinem Interesse begegnenden Fragen behandeln: so z. B. der im Verlaufe der Schilderung eines Frauenschicksals fein herausgearbeitete Gegensatz des Wiener und Berliner Kulturkreises, der — den Tatsachen entsprechend und einem falschen Lokalpatriotismus ins Gesicht schlagend — nicht zugunsten des ersteren entschieden wird.
Für die Psychoanalyse hat das vorliegende Werk jedoch noch eine ganz besondere Bedeutung: Zum ersten Male wird hier in der nicht-wissenschaftlichen Literatur der Psychoanalyse eingehende Erwähnung getan. Das betreffende Kapitel verrät zwar ein gründliches theoretisches Studium der psychoanalytischen Methoden, aber eine Unkenntnis des praktischen psychoanalytischen Verfahrens. So benimmt sich kein wirklicher Psychoanalytiker, wie er hier geschildert wurde. Daher nimmt es uns nicht Wunder, dass der Schluss, zu dem die Verfasserin in diesem Teile ihres Werkes gelangt, nie und nimmer von der Psychoanalyse wird wissenschaftlich anerkannt werden können. Eine Frau, die die Erkenntnis grausamer Enttäuschungen ihres ehelichen Lebens in sich