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Im Charakter jener Dichter, die man Heilige nennt, ist dieser Charakterzug, d. h. die Überzeugung der Auserwähltheit, das Gefühl, dass man ein Instrument sei, an welchem der Geist spiele (wie beim heiligen Johannes Chrysostomus), das wesentlichste. — Von grundlegender psychologischer Bedeutung und für den Ästhetiker von allerhöchstem Interesse ist dabei die Tatsache, dass, sowie der Paranoische nur projiziert, um Unlust zu ersparen, so auch dem Künstler das Schaffen seiner Werke eine Erleichterung und hierdurch lustvoll ist. Wir haben es schon betont, dass der Paranoiker seine Krankheit nötig hat, er könnte ohne sie nicht leben, die „Flucht in die Krankheit” (Freud) ist eben die für ihn einzig mögliche Lösung eines Konfliktes, den er auf andere Art nicht lösen kann.
Dass Geistesverrückung mit Glücksgefühlen einhergehen kann, zeigt folgendes Geständnis Gerard de Nerval's in seinem Buche „Le Rěve et la Vie”: „Ich will die Eindrücke einer langen Krankheit schildern, die sich lediglich in den Geheimnissen meines Geistes zutrug. Ich weiss eigentlich nicht, weshalb ich den Ausdruck Krankheit gebrauche, denn nie in meinem Leben habe ich mich wohler gefühlt. — Mitunter glaubte ich, meine Kraft und Tätigkeit seien verdoppelt, es schien mir, als wisse ich alles, als verstünde ich alles; die Phantasie verschaffte mir unendliche Genüsse. — Wenn man das wieder bekommt, was die Leute den Verstand nennen, sollte man da bedauern, ihn verloren zu haben?” Und ich vergleiche mit dieser Aussage die zahlreichen Beobachtungen von Irrenärzten, die alle die Anstrengung und den Schmerz beschreiben, die dem Verrückten die zeitweilige normale, d. h. wohlkontrollierte Denkweise auferlegt1). — Ebenso flüchtet sich der Dichter in das Dichten. — Er ist traurig und findet, dass heute das Wetter, die Häuser, die Bäume, die Blumen, die Berge, ja das Lachen, die Lust selber so traurig sei. — Und siehe: seine Qual hört auf oder mildert sich wenigstens, er wurde sie los, indem er sie auf die Aussenwelt