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Das Kind wurde bekanntlich erst im 18. Jahrhundert „entdeckt”. Sehr weit ist jetzt noch die Erforschung der Kinderpsyche nicht gekommen; in den Köpfen der Pädagogen und Psychologen spukt jetzt noch zu viel die Vorstellung, dass das Kind ein „Homunculus” sei, ein Erwachsener in kleinen Dimensionen. Die Psychoanalyse hat indirekt ein schönes, wenn noch wenig umfangreiches Material zur Bekämpfung dieser irrigen Anschauung geliefert. Man traut ihr aber nicht; Eltern und Pädagogen haben Mühe zuzugeben, dass die Kinder nicht nach ihrem frommen Wunsche gebaut und nicht aus lauter Tugenden zusammengesetzt sind. Die sogenannte Unverdorbenheit und Naivität des Kindes ist, wie gewöhnlich aufgefasst, ein Missverständnis. Man könnte mit dem gleichen Rechte sagen, dass ein „Wilder” unverdorben sei. Der Ausdruck passt einmal nicht. — Auf der anderen Seite geht Stekel meiner Ansicht nach zu weit, wenn er vom Kinde sagt, es sei „universell-kriminell” angelegt. Es ist ein recht unglücklicher Ausdruck, für etwas Richtiges allerdings. Wir brauchen aber für den Begriff keinen neuen Ausdruck, da der bisher gebräuchliche Terminus „amoralisch” absolut zutreffend ist. Das Kind ist weder moralisch noch unmoralisch, sondern amoralisch; es steht im Anfang der ontogenetisch abgekürzten Wiederholung