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Entwurf eines Systems der Charakterkunde unter Betonung bestimmter prinzipieller, zum Teil ganz neuartiger Gesichtspunkte. Die einleitende Kritik des bisherigen Psychologiebetriebes erklärt die herrschende Psychologie für unfähig zur Lösung aller irgendwie belangreicher Menschheitsfragen, als „lebensdünne Ausgeburt der Durchschnittsverständigkeit, sobald man sie nimmt, als wofür sie sich gibt: eine Wissenschaft vom Innenleben” (S. 8). Sie ist eine Sonderform der Erkenntniskritik; ihr Gegenstand bildet nicht der Mensch, sondern der „rationale” Mensch und der Beweggrund ihres Forschens ist nicht das „psychologisch” pointierte Interesse am Leben, sondern das „logische” am Vermögen des Denkens und Wollens.
Die Psychologie, wie sie sich heute darstellt, als Analyse der Be wusstseinsphänomene, wird niemals zum „Charakter”, zur Totalität vordringen können. „Man muss das Ganze haben, ehe man es mit Erfolg unternimmt, die Teile zu erforschen. Man kann wohl jenes in diese zerlegen, nicht aber umgekehrt jemals aus diesen jenes zusammensetzen, es sei denn, dass man aus ihm für den Gang der Zusammensetzung die leitende Vorstellung schon gewonnen hat. Alle grossen Entdecker empfingen den schöpferischen Antrieb aus der Totalität des Geschehens” (S. 13). Angesichts der Ratlosigkeit vor dem Unbewussten und bei dem völligen Versagen der bisherigen Psychologie vor dem Problem der Individualität oder vor der Mannigfaltigkeit von Zeiten, Völker und Kulturschichten soll eine neue Behandlung des Stoffes angebahnt werden, die ihre Aufgabe im Verstehen der ganzen Formenfülle des psychischen Lebens sucht und dabei die bleibenden psychischen Dispositionen erforscht und beschreibt.
Die Seele als Substrat gewisser Vorgänge des Innenlebens ist der