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Die kleine meisterhaft geschriebene Novelle unterscheidet sich von anderen Schriften, welche die Lehren Freud's literarisch verwerten, durch eine gewisse Zurückhaltung und Noblesse. Das Thema ist einer wahren Begebenheit entnommen. Ein hoher, durch seine Strenge berüchtigter richterlicher Funktionär begeht ein Sittlichkeitsverbrechen und verurteilt sich dafür zum Tode. Er wird eines Morgens erschossen aufgefunden.
Berger versucht nun mit grossem Verständnis und dichterischer Intuition die tieferen psychologischen Motive dieser Tat aufzudecken und das Verständnis des Charakters aus dem verdrängtem Triebleben klarzulegen. Er zeigt, was mit meinen Ausführungen in der kleinen Arbeit „Berufswahl und Kriminalität” (Gross. Archiv, Bd. 41) übereinstimmt, wie das verdrängte Verbrecherische im Hofrat Eysenhardt ihn zur Richterkarriere trieb und schliesslich unter dem Einflusse einer klimakterischen Altersperiode zu seinem Verhängnis führte. Ich kann das kleine Büchlein wärmstens empfehlen. Es hat neben der literarischen Bedeutung den Wert einer wunderbar beobachteten Krankengeschichte.
Stekel.