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Ein interessanter Fall von „Versprechen” oder „Verschreiben”. Die Nummer 636 des „Berliner Tageblatt” bringt einen telegraphischen Bericht aus Petersburg über ein in der „Nowoje Wremja” enthaltenes Interview mit dem russischen Minister des Auswärtigen Sasonow, in dem folgende Sätze enthalten sind: „Die Völker Europas haben sich abermals überzeugt, dass der Zweibund und die Triple-Entente die Rechte keines Teiles verletzen und dafür zuverlässige Bedingungen für die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens bieten. Unter solchen Umständen kann von einer Änderung der so glücklich gefügten politischen Gruppierung nicht die Rede sein.”
Die Redaktion des „Berliner Tageblatt” macht zu dem Worte Zweibund des Telegrammes in Klammern die Bemerkung: „Ist für Herrn Sasonow der „Dreibund” schon erledigt?” — In Wahrheit scheint hier ein sehr interessantes Beispiel von „Versprechen” vorzuliegen. Zunächst gibt es vier Stellen, die das „Versprechen” oder „Verschreiben” verschuldet haben können: 1. Sasonow. 2. Der russische Journalist in „Novoje Wremja”. 3. Der russische Telegraphenbeamte. 4. Der deutsche Korrespondent des „Berliner Tageblattes” in Petersburg. In allen vier Fällen kann der Fehler Ausdruck eines unbewussten oder verdrängten, im Gegensatz zu dem Gesagten stehenden Wunsches sein. Ist er von einem der sub 1–3 Genannten gemacht, so ist es naheliegend, dass das Unterbewusstsein des Russen gegenüber der Behauptung, es könne von einer Änderung der so glücklich gefügten Gruppierung nicht die Rede sein, die in letzter Zeit viel diskutierte Hoffnung gehegt hat, es werde gelingen, Italien vom Dreibund abzuziehen. Daher drängt sich das Wort „Zweibund” für Deutschland und Österreich auf die Zunge bzw. in die Feder. Stammt das „Verschreiben” aber von dem deutschen Korrespondenten, so kann er unbewusst den in Deutschland jetzt häufig ausgesprochenen Gedanken gehabt haben, dass es wünschenswert sei, das unzuverlässige Italien nicht im Dreibund zu behalten, weil es uns mehr geschadet,