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Eine infantile Sexualtheorie bei Gerhart Hauptmann. Eine Hauptperson des Hauptmannschen Märchendramas „Und Pippa tanzt” ist ein wandernder Handwerksbursche, namens Michel Hellriegel: eine eigentümliche Persönlichkeit, die die Welt der Wirklichkeit übersehend, nach den Trugbilder seiner Phantasie läuft. (Sie wäre auch einer eingehenderen Analyse würdig; sie zeigt uns sehr schön die „dissoziative”
Macht des über dem Realitätsprinzip siegenden Lustprinzips1). Was dieser Junge spricht und tut, ist für die anderen Personen des Dramas (und auch für das Publikum) meist unverständlich und höchst seltsam, fast geheimnisvoll. Es stehe hier ein Beispiel, für das ich eine einfache und nicht unwahrscheinliche Erklärung gefunden zu haben glaube:
„Und Pippa tanzt” II. Akt: Pippa: Wer bist Du denn? Hellriegel: Ein Sohn der verwitweten Obstfrau Hellriegel. Pippa: Und woher kommst Du? Hellriegel: Aus dem grossen Wurstkessel unseres Herrn. Pippa lacht herzlich: Aber Du sprichst ja so sonderbar!
Ich glaube die seltsame Antwort Hellriegel's leicht verständlich zu machen, wenn ich an die „Lumpftheorie” des kleinen Hanns erinnere2). Die Kinder kommen ja, gleich den (wurstähnlichen) Stuhlmassen, aus dem Leibe der Mutter oder des Vaters („Herr”). Vergessen wir auch nicht der merkwürdigen Übereinstimmung zu achten, die zwischen dem „Kessel” Hellriegels und der Badewanne des kleinen Hanns — beide Gegenstände dienen als Symbole für den menschlichen Leib — zu finden ist.
J. Hárnik.