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Aus Gerhart Hauptmanns Diarium. Das Theaterjahrbuch für 1912 des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller „Die Rampe” bringt eine Reihe von Aphorismen Gerhart Hauptmanns, die er unter dem Titel „Aus meinem Diarium” zusammengefasst hat. Wir geben daraus folgende Proben:
Dichten heisst, hinter Worten das Urwort aufklingen zu lassen. — Deine tiefste Erkenntnis ist zugleich am meisten und ganz ausschliesslich dein Eigentum. — Jeder Mensch verbirgt ein geheimstes Motiv. Es ist oft über jeden Begriff nebensächlich und lächerlich: weil er das weiss, stirbt er, ohne es je verraten zu haben. Wer es entdeckt, besitzt oft den Schlüssel zu vielen und grossartigen Handlungen eines grossen Mannes. — Man verehrt seine Mutter und verachtet das wahrhaft Volksmässige: wie kommt das? — Wir wissen von keiner höheren Vollkommenheit, als die menschliche ist. — Der schöne Klang der Stradivarius-Geige ist bedingt vom Lack. Der christliche Lack hat nur selten die gleiche Wirkung. — Unter den Ehefrauen gibt es sehr viele eingemauerte Nonnen. — Eitelkeit ist eine schöne Wiege für Erwachsene.