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Je tiefer wir in die psychischen Mechanismen dènr Neurosen und Psychosen eindringen, desto bedeutsamer erscheint uns die Wirksamkeit homosexueller Triebkräfte. Die Unterschiedo zwischen der psychoanalytischen Erforschung und der gebräuchlichen Anamnese treten nirgend so scharf zutage, als bei den Angaben der Neurotiker über Homosexualität. Keine zweite sexuelle Triebkomponente unterliegt in diesem Masse der Verdrängung und ist so bewusstseinsfremd geworden. Ich bin mir über die Ursachen dieser Erscheinung noch nicht klar. Ich kenne Menschen, die sich ein grosses Mass von Perversion freigegeben haben und die homosexuelle Komponente trotzdem völlig verdrängt haben. So habe ich eine Dame analysiert, die eine ziemlich ereignisreiche Dirnenvergangenheit hinter sich hat. Sie wurde neurotisch, weil sie die Homosexualität nicht bewältigen und unterdrücken konnte. Allerdings verstand sie es wie alle Neurotiker, ihre Homosexualität in geschickter Weise zu maskieren und bewusstseinsfremd zu machen.
Dem Anfänger wird es daher vom grossen Nutzen sein, wenn er alle die Masken kennt, die dazu dienen, die Homosexualität zu verdecken. Bekanntlich sind alle neurotischen Symptome Ergebnisse eines Kompromisses und verbergen einerseits gerade so viel, als sie andererseits enthüllen. Über diese Neigung zu Kompromissen, die der Ausdruck der Spaltung der Persönlichkeit ist, wäre eine eigene Untersuchung anzustellen. Die widerstrebendsten Triebkräfte werden berücksichtigt und zu einem Symptom vereinigt. Diese Neigung zur Kompromissbildung beherrscht das Seelenleben des Neurotikers. Sie kommt im Traume ebenso zum Ausdruck, wie in der politischen Gesinnung, der Kunstanschauung und den neurotischen Symptomen. Gelingt es nicht, die widerstrebenden Kräfte zu einer Äusserung zu bringen, so stellt sich die bekannte Form der Entschlusslosigkeit, des Schwankens und des Zweifels ein. Der Zweifel ist ein misslungenes Kompromiss.
Diese oberflächliche Kompromissbildung verrät sich am leichtesten in der Ho