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Ausgehend von den Entdeckungen der Pawlow'schen Schule über den Einfluss des jeweiligen psychischen Zustandes auf die sekretorische
und motorische Funktion der Verdauungsorgane untersucht Meisl die Ätiologie und Pathogenese der Magendarmneurosen. Er kommt hierbei zu dem Schlusse, dass diese Neurosen in ihrer überwiegenden Mehrzahl sekundärer Natur sind, und zwar entweder somatogen, d. i. reflektorisch hervorgerufen durch pathologische Änderungen der verschiedensten Organe des Abdomens, vom Magen angefangen bis zum Urogenitaltrakte, oder psychogen, bedingt durch akute oder chronische Alterationen der Psyche, die entweder ausschliesslich erotischen Ursprung oder zumindest eine erogene Komponente haben. Der Autor hofft, dass sich auch für den ätiologisch noch dunklen Rest von Magendarmneurosen bei weiterer Beobachtung dieselbe Pathogenese ergeben werde, so dass der Terminus „primäre Magen- oder Darmneurose” entfallen dürfte. Bei beiden Gruppen bezeichnet er die Magenfasern des sympathischen Nervensystems als den zentrifugalen Schenkel des Reflexbogens, und es käme nur auf individuelle Momente, wie vererbte oder erworbene Disposition, vorhergegangene Erkrankungen etc. („somatisches Entgegenkommen”, Freud) an, ob auf den somatischen oder psychogenen Reiz ein Tic convulsif, douloureux oder sécrétoire im Gebiete des Magendarmtraktes ausgelöst wird.
Als Beispiele der ersten Gruppe bespricht er ausführlicher den Vomitus gravidarum und den Vomitus matutinus der Kinder. Die psychogenen Magendarmneurosen werden durch zwei Krankengeschichten illustriert, von denen die eine einen Fall von knallartigem Aufstossen, die andere einen solchen von „peristaltischer Unruhe des Darmes” betrifft, deren Pathogenese durch Psychoanalyse aufgedeckt wurde.