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Der Autor bespricht die Modalitäten und Möglichkeiten der Sublimierung sexueller Kräfte und zitiert verschiedene Autoren, insbesondere Freud. Nicht die theoretische Erklärung der Sublimierung ist dem Autor in dem vorliegenden Aufsatze das wichtigste, sondern vornehmlich die Feststellung praktischer Möglichkeiten zur bewussten Verwertung sexueller Triebkräfte. Sein Vorschlag geht dahin, in Zeiten stärkerer sexueller Erregtheit die Intensität unserer geistigen und gemütlichen Funktionen zu steigern. Die Wirkungen werden in einer Herabsetzung der Sexualerregung und einer Erhöhung unserer sonstigen Fähigkeiten bestehen, die uns ein „höheres geistiges Leben” ermöglichen. — Wird aber die Sexualerregung übermächtig, dann möge man die gewohnte Tätigkeit, womöglich auch die gewohnte Umgebung verlassen, um in einer einzigen, neuen Tätigkeit aufzugehen. Das künstlerische Schaffen eignet sich hierzu am allerbesten.
Die Durchführung dieser Vorschläge scheint mir nur unter ganz besonderen Bedingungen möglich, die zu erörtern hier zu weit führen würde. Aber auch, was ihren Wert anbelangt, sind die Vorschläge nicht unbedenklich. Zwar verlangt der Verfasser vor der gewollten Transformation der Sexualerregung deren bewusstes und objektives Erfassen (sozusagen konfliktlos), aber diese Vorbedingung wird wohl in praxi kaum zu erreichen sein. Vielmehr würden der Sexualverdrängung nur neue Wege gebahnt werden. Es kann übrigens der Verzicht auf grössere sexuelle Befriedigung zugunsten eines „höheren geistigen Lebens” und einer „inneren Sammlung” nicht unbedingt als ein erstrebenswertes Ziel angesehen werden. Eine wichtigere soziale Aufgabe wird wohl die Beseitigung der realen und moralischen Widerstände sein, die die Sexualbefriedigung in der sozialen Gemeinschaft für beide Geschlechter hemmen, bzw. sie zu einer für das Individuum gefährlichen Angelegenheit machen.
Den Kulturfortschritt wollen wir aber lieber auf Rechnung der durch die Entwicklung des Menschen ohnehin zum Untergange bestimmt