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Aus den „Aufzeichnungen des Malta Laurids Brigge” von Raine Maria Rilke (Leipzig, Im Inselverlag 1910; 1. Bändchen, S. 90 ff., 26, 126, 139 ff., 143 ff.). Wer bisher die Freud'schen Erkenntnisse mit einem überlegenen, geringschätzigen Lächeln quittiert hat, lese die nachfolgenden Stellen aus dem Buche eines Dichters, der gewiss nicht im Verdachte steht, Parteigänger der psychoanalytischen Wissenschaft zu sein, und er wird mit Erstaunen gewahr werden wie hier ein Poet in bisweilen völlig unverhüllter Form Beobachtungen mitteilt, die mit denen des Arztes aufs frappanteste übereinstimmen.
„Und jetzt auch noch diese Krankheit, die mich immer schon so eigentümlich berührt hat. Ich bin sicher, dass man sie unterschätzt. Genau wie man die Bedeutung anderer Krankheiten übertreibt. Diese Krankheit hat keine bestimmten Eigenheiten, sie nimmt die Eigenheiten dessen an, den sie ergreift. Mit einer som nambulen Sicherheit holt sie aus einem jeden seine tiefste Gefahr heraus, die vergangen schien, und stellt sie wieder vor ihn hin, ganz nah, in die nächste Stunde. Männer, die einmal in der Schulzeit das hilflose Laster versucht haben, dessen