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Menstruation und infantile Sexualtheorien. Ich treffe gestern meine kleine dreizehnjährige Freundin weinend in ihrem Zimmer. „Was fehlt dir denn mein liebes Kind?” — „Gar nichts!” — „Warum weinst du dann, wenn dir gar nichts fehlt?” — Dagmar bleibt dabei, dass ihr gar nichts fehle, sie habe „nur so” vor sich hingeweint. Endlich gesteht sie, sie sei so erschrocken, weil sie plötzlich das Periodenblut bemerkt habe. — Wie ich mit ihr weiterspreche und es nicht begreifen konnte, dass ihr die Menstruation so viel Herzeleid verursachen könne, platzt sie heraus: „Glaubst du nicht, dass ich ein Kind bekomme?” „Ein Kind?” Ich verneine die Möglichkeit. Dagmar aber schüttelt den Kopf und meint, es sei doch etwas „geschehen”. Unter fürchterlichem Weinen gesteht sie dann, in der letzten Religionsstunde habe der Religionslehrer seine Hand auf ihren Kopf gelegt und den Kopf sanft zurückgebogen. Dann habe er ihr tief in die Augen geblickt und die Worte gesprochen: „Du bist ein liebes Mädchen, Dagmar!” Dabei wäre sie rot geworden und wie mit Blut „übergossen”. Dann trug der Katechet in der Stunde die unbefleckte Empfängnis Marias vor. (Das Kind heisst nämlich Dagmar Maria). Der Lehrer hätte sie dabei nicht aus den Augen gelassen. Plötzlich fühlte die Kleine das Menstruationsblut fliessen. „Glaubst dunicht, Tante, stammelte Dagmar Maria, dass der heilige Geist über mich gekommen ist?”
Margarete Petersen.