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Der 6½ jährige Sohn einer mir bekannten Dame wiederholt zu Hause die in der Religionsstunde gehörte Erzählung von Adam und Eva und von dem ersten Sündenfall. Von seiner Mutter durch Fragen unterstützt, berichtet er, dass das erste Menschenpaar in — Paris wohnte. Auf den Irrtum aufmerksam gemacht, korrigiert der Knabe selbst sein Versprechen in „Paradies”, rasch beifügend, „ja, ja, in einem grossen, grossen Garten, so gross wie der im vorigen Jahr in S.” (dem vorjährigen Sommeraufenthalt des Kindes).
Diese Wortverwechslung, die ihren scheinbaren Grund bloss im Auslassen einer Silbe hatte, birgt einen tieferen Sinn. Die Mutter des kleinen Ernst hat die Gewohnheit ihrer eigenen Kindheit, das Klosett als „Paris” zu bezeichnen, mit in ihre Ehe genommen und natürlich auch dem Kinde gegenüber diesen Ausdruck oft gebraucht. Dieser Ort aber war ihm von jeher besonders interessant und gern hätte er die Mutter dorthin begleitet; zumindest stellte er sich trotz Verbotes jedesmal als Wächter und Horcher knapp an der Tür auf. Solch ein verbotenes Tun schreibt nun sein naiver Sinn wohl Adam und Eva zu und lässt sie deshalb in Paris wohnen. Auch der grosse, grosse Garten, der die Brücke zum richtigen Worte bildete, hat seine Bedeutung in Ernstls Erinnerungen. Zu dem Landhause, das er mit seinen Eltern während mehrerer Sommer bewohnte, gehörte ein ausgedehntes Stück Wiesen- und Gartenland, das der Junge nicht nur selbst oft als „Paris” benutzte, sondern in dem er mit Leidenschaft den Spuren der Enten und Gänse und des Haushundes nachforschte, mit dem Rufe „da ist eine Ente (Gans, der Hund) in Paris gewesen”; den Schweinestall nannte er „Schweindel-Paris”. Auch wurde ein Scherzwort des Vaters, der einmal des Knaben Exkremente als „Pariser-Stangerln” (nach einer in Wien bekannten Näscherei) bezeichnet hatte, schliesslich zu einer ständigen Redensart in Ernstls Kinderstube.
So zeigt sich, wie eine scheinbare sprachliche Unbeholfenheit der Kinder schon einer Absicht des Unbewussten nicht