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Eine 77 jährige Dame meiner Bekanntschaft hat einige Symptomhandlungen, die verdienen, geschildert zu werden, da sie uns beweisen, wie recht Stekel hat, wenn er in „Keuschheit und Gesundheit” behauptet, das Sexualleben des Menschen begönne am Tage der Geburt und schliesse mit dem Tode.
Also die erwähnte hochbetagte Dame hat einige Gewohnheiten, die sie nicht ablegen kann, obwohl sie sich ihrer „schämt”. Diese sogenannten Gewohnheiten sind wie die meisten dieser „schlechten Gewohnheiten” Zwangshandlungen. Sie sammelt Schalen von Früchten, am liebsten Orangenschalen und Apfelschalen in ihrem Nachttopfe. Auf diese Schalen uriniert sie. Es wäre ihr eine „Wonne”, weil — jetzt kommt eine merkwürdige Rationalisierung — es so wunderbar dufte. Wenn sie sich keine Obstschalen verschaffen kann, so nimmt sie auch Erdäpfelschalen. Es müssen Schalen irgend einer Frucht sein. Obwohl sie auf dem tiefen Topfe sehr unbequem sitzt, geht sie sehr ungern auf den Abort. Sie geht manchmal in die Küche, dreht die Wasserleitung auf und lässt das Wasser ausströmen. Dabei uriniert sie mit grossem Genüsse. Sie erzählt, dass sie als schwangere Frau immer sofort urinieren musste, wenn sie ein Wasser strömen hörte. Wenn sie sich unbeobachtet wähnt, nimmt sie am Abend ihre Beinkleider, legt sie auf das Kopfkissen und schläft darauf. Vor dem Einschlafen steht sie beim Wechseln des Hemdes eine Weile nackend da und beobachtet kritisch ihre Beine. Sie war immer stolz auf die edle Bildung ihrer Beine und Füsse. Sie freut sich kindisch, dass die Glieder noch ihr schönes Ebenmass beibehalten haben. Als sie einmal geschwollene Beine hatte, war sie ganz unglücklich. Jeden Morgen — und da gibt es keine Ausnahme — spricht sie mit Wohlbehagen davon, dass ihre Beine noch so schön sind und dass die Schwellung verschwunden ist.
In diesem Falle sehen wir als Regression (Freud) die infantile Urinerotik. (Sadger) wieder auftauchen. Alle Zwangshandlungen erweisen sich als symbolischer Ersatz von Geschlechtsakten. Auch