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In den „Aufzeichnungen des Mönches Fjodor Kusmitsch” von Leo Tolstoi (Nachlass, Bd. III) — vermutlich Stücke Tolstois eigener Psychologie — findet sich eine Stelle, die wegen der an einem Traum vorgenommenen Schätzung sehr beachtenswert ist und ein tiefes Verständnis des Dichters für die Bedeutung des Traumes und dessen Herkunft beweist. Es scheint für den Dichter kein Zweifel an der vollen Zugehörigkeit der die Traumphänomene schaffenden unbewussten Kräfte zu unserem Ich zu bestehen, ohne deren Berücksichtigung und Kenntnis ihm eine endgültige Beurteilung des Menschen unverbindlich und trügerisch erscheint. Ja, er glaubt sogar, eben im Traum den rechten Massstab für den „sittlichen” Gehalt eines Menschen sehen zu müssen und begeht damit einen Trugschluss, sofern er übersieht, dass die „Sittlichkeit” eines Menschen, bei aller Verantwortlichkeit des Einzelnen für sein Tun und Lassen (ob bewusst oder unbewusst), nicht an seuiem Unbewussten gemessen werden kann.
Ich zitiere nach der autorisierten Übersetzung wörtlich (p. 297):
„Ich habe wenig geschlafen und hatte hässliche Träume. Ich träumte, dass ein unangenehmes, schwächliches Weibsbild sich an mich schmiegte, und ich fürchtete nicht sowohl die Sünde, als vielmehr, dass meine Frau mich sehen und dass es wieder Vorwürfe setzen könnte. Zweiundsiebzig Jahre zähle ich nun, und bin noch immer in den Banden des Fleisches. Wenn ich wache, kann ich mich wohl über mich selbst täuschen, der Traum dagegen gibt mir den rechten Massstab für die Stufe sittlicher Vollkommenheit, die ich erreicht habe.
Ich träumte ferner — und auch dies kann als ein Zeichen meiner sittlichen Unvollkommenheif, gelten — dass mir jemand hierher in Moos verpackte Leckereien brachte. Es waren Leckereien von ganz besonderer Art, und wir nahmen sie aus dem Moos heraus und teilten sie unter uns. Nachdem wir die Teilung vorgenommen, blieben immer noch Leckereien übrig; ich hätte auch diese gern für mich behalten, aber ein dunkelbrauner, unsympathischer Knabe,