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Frau X., aus gutem bürgerlichen Milieu, ist verheiratet und hat mehrere Kinder. Sie ist zwar nervös, aber brauchte nie eine energische Behandlung, da sie dem Leben doch genügend gewachsen ist. Eines Tages zog sie sich in folgender Weise eine momentan ziemlich imponierende, aber vorübergehende Entstellung ihres Gesichtes zu.
In einer Strasse, welche zurecht gemacht wurde, stolperte sie über einen Steinhaufen und kam mit dem Gesicht in Berührung mit einer Hausmauer. Das ganze Gesicht war geschrammt, die Augenlider wurden blau und ödematös, und da sie Angst bekam, es möchte mit ihren Augen etwas passieren, liess sie den Arzt rufen. Nachdem sie deswegen beruhigt war, fragte ich: „Aber warum sind Sie eigentlich so gefallen?” Sie erwiderte, dass sie gerade zuvor ihrem Manne, der seit einigen Monaten eine Gelenkaffektion hatte, wodurch er schlecht zu Fuss war, gewarnt hatte, in dieser Strasse gut aufzupassen, und sie hatte ja schon öfters die Erfahrung gemacht, dass in derartigen Fällen merkwürdigerweise ihr selber dasjenige passierte, wogegen sie eine andere Person gewarnt hatte.
Ich war mit dieser Determinierung ihres Unfalles nicht zufrieden und fragte, ob sie nicht vielleicht etwas mehr zu erzählen wusste. Ja, — gerade vor dem Unfall hatte sie in einem Laden von der entgegengesetzten Seite der Strasse ein hübsches Bild gesehen, das sie ganz plötzlich als Schmuck für die Kinderstube sich wünschte und darum sofort kaufen wollte: da ging sie geradeaus auf den Laden zu, ohne auf die Strasse zu achten, stolperte über den Steinhaufen und fiel mit ihrem Gesicht gegen die Hausmauer, ohne einmal den leisesten Versuch zu machen, sich mit den Händen zu schützen. Der Vorsatz, das Bild zu kaufen, war gleich vergessen und sie ging eiligst nach Hause.
„Aber warum haben Sie nicht besser zugeschaut?” fragte ich.
„Ja”, antwortete sie, „es war vielleicht doch eine Strafe! Wegen der Geschichte, welche ich Ihnen schon im Vertrauen erzählt habe.”
„Hat diese Geschichte Sie denn immer so gequält?”