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Wir entnehmen zur Charakterisierung der trefflichen Schrift des bestbekannten Internisten und Chemikers folgende Stelle: „Angeregt durch die Untersuchungen Freud's über die Konversion psychischer Erlebnisse in Störungen der physiologischen Magenfunktionen bei der Hysterie, fahndete ich nach ähnlichen Momenten bei der nervösen Dyspepsie und war überrascht, wie ungeheuer häufig der nervöse Dyspeptiker mit Abnormitäten seiner Vita sexualis im Kampfe liegt, wie oft der Coitus interruptus, Syphilidophobie und ganz besonders die Onanie die Quelle aller Leiden ist. Speziell bei der nervösen Dyspepsie des jugendlichen Mannesalters zwischen 20 und 30 Jahren kann man fast mit Sicherheit dem Patienten gegenüber, auch ohne Eingeständnis desselben, Aberrationen seines Trieblebens behaupten. Ohne Psychoanalyse im Sinne Freud's zu betreiben, konnte ich durch blosses Betonen der Wichtigkeit und Examinierens in bezug auf das Sexualleben das Vertrauen der Kranken, die sich erkannt sahen, gewinnen und damit die halbe Heilung erzielen. Die Konversion eines psychischen Ekels nach einem Schock in physisches Unbehagen und Verringerung des Appetits mit Herabsetzung der sekretorischen Magenfunktionen lässt vieles Dunkle in der Mechanik des Zustandekommens der nervösen Dyspepsie aufhellen. Es ist jedenfalls das grosse Verdienst Freud's, die üblichen leeren Schlagworte von Überarbeitung, Sorgen und fehlerhafter Ernährung als die wichtigsten Ursachen der Neurasthenie im allgemeinen, ebenso die Übertreibung der Lahmann'schen Prinzipien in ihrer allgemeinen Geltung erschüttert zu haben und Störungen des intensivsten Triebs, wie sie nur zu oft als Folge unserer ganzen gesellschaftlichen Einrichtungen eintreten müssen, als die Hauptquelle der Neurosen und damit auch der nervösen Dyspepsie erkannt zu haben.”
Dr. E. Hitschmann.