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Nach dem wundervoll klaren und schönen Aufsatze von Prof. Freud ist die Arbeit Ranks besonders hervorzuheben. Sie geht davon aus, dass die Neurotiker fast immer an der Überwindung des Familienkomplexes scheitern. Es zeigte sich, dass dieser Komplex auch für Sage, Mythos
und Dichtung von grösster Bedeutung ist. War im Anfange der psychoanalytischen Bestrebungen gerade dieses gehäufte Zusammentreffen wichtig, so wird es jetzt die Aufgabe des Psychoanalytikers sein, das Wie, die verschiedenen psychischen Wege, welche zu dieser Erscheinung führen, zu erforschen. Der Verfasser zeigt nun in einer ausgeführten Analyse der Griseldafabel, wie sich der Inzestwunsch in den verschiedenen Bearbeitungen äussert und welchen komplizierten Überbau er wählt. Er weist die Unzulänglichkeit aller bisherigen Motivierungsversuche nach und deckt die psychischen Tendenzen, welche zur Bildung der Sage führten, scharfsinnig durch einen bisher übersehenen, typisch wiederkehrenden Zug der Erzählung auf. In allen Bearbeitungen des Griseldastoffes von Boccacios Erzählung bis zu Hauptmanns Drama wird dasselbe Motiv in verschiedener Auffassung und unter wechselnder Beteiligung psychischer Komplexe nachgewiesen. Besonders klar und scharfsinnig erscheint die Erklärung der Motivdoublierungen.
Dr. Theodor Reik.