You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dr. L. H. Eisenstadt veröffentlicht in den „Deutschen Nachrichten” vom 28. April und vom 4. Mai 1912 einen Aufsatz: „Über die Sterblichkeit der Post- und Eisenbahnbeamten”, dem wir folgende für uns wertvolle Stelle entnehmen. „Hier bekommen wir auch einen Schlüssel zum Verständnis für das massenhafte Auftreten der Nervenkrankheiten und namentlich der Neurasthenie bei den Postbeamten. Für die Anhänger der Lehren des Wiener Nervenarztes Prof. S. Freud bleibt es recht zweifelhaft, ob die ungeheuere Verbreitung dieser Krankheiten bei den Beamten, Lehrern, Lehrerinnen, Beamtinnen, weiblichen kaufmännischen Angestellten als ein Zeichen fortschreitender angeborener Degeneration des Nervensystems zu deuten ist. Sondern es handelt sich meist um rein erworbene Zustände, die auf die starken von unserer Kultur verlangten Hemmungen des Trieblebens zurückzuführen sind. Prof. Freud1) sagt zwar von seinen Lehren, dass kein deutscher Psychiater sie anerkenne. Aber weshalb strömen ihm aus den Reihen der praktischen Ärzte immer mehr Anhänger zu? Weil sie aus der Praxis heraus sich von der Wahrheit seiner Anschauungen über die Entstehung der Neurose überzeugen. Es ist ja auch zu bedenken, dass die Postbeamten, wenn auch nicht so peinlichst ausgewählt wie die Lokomotivführer, dennoch sämtlich vor dem Eintritt in ihre Laufbahn ärztlich untersucht und gewiss bei vorhandenen schweren Nervenerkrankungen gar nicht zu ihrer Laufbahn angenommen weiden.”