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Frank Wedekind hat der Neuauflage seiner Novellensammlung „Feuerwerk”, die kürzlich bei Georg Müller in München erschienen ist, eine Einleitung „über Erotik” vorausgeschickt, der wir einige Stellen entnehmen, welche sich mit unserer Auffassung des Themas in weitgehendem Masse decken. „Unsere Jugend hat es nun aber meiner Ansicht nach gar nicht in erster Linie nötig, sexuell aufgeklärt zu werden. Eine genauere Aufklärung über Vorgänge und Gefahren der Sexualität hätte jedenfalls nicht das Haus, sondern die Schule zu besorgen. Das Haus, die Familie aber hat die heranwachsende Jugend vor allem darüber aufzuklären, dass es in der Natur überhaupt gar keine unanständigen Vorgänge gibt, sondern nur nützliche und schädliche, vernünftige und unvernünftige. Dass es in der Natur aber unanständige Menschen gibt, die über diese Vorgänge nicht anständig reden, oder die sich bei diesen Vorgängen nicht anständig benehmen können. Die Befürchtung, dass ernste Gespräche über Erotik und Sexualität der heranwachsenden Jugend Schaden zufügen können, ist das Ergebnis einer grossen Selbsttäuschung. Die Eltern vermeiden solche Gespräche nicht etwa, wie sie sich einreden, aus Furcht, ihren Kindern damit zu schaden, sondern weil sie selber unter sich über erotische Fragen nicht sprechen können, weil sie ernst darüber zu sprechen nicht gelernt haben … Denn auf keinem anderen Gebiete wuchert so viel Aberglauben, auf keinem anderen Gebiete sind so viel grundfalsche „Wahrheiten” im Umlauf, um uns zu den widersinnigsten Tollheiten zu verleiten, wie auf dem der Erotik und Sexualität … Aber gerade die rohen zotigen Menschen unter uns sind die unversöhnlichsten, hartgesottensten Feinde einer ernsten ehrfurchtsvollen Ergründung erotischer Fragen, weil sie dadurch um ihre billigsten, beliebtesten Wirkungen gebracht werden…. Der erste Ertrag der sexuellen Aufklärung der Jugend wird sich dann darin zeigen, dass wir nicht mehr für unanständig halten, was nicht nur den allerfeinsten, allerabgeklärtesten Au