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Immer wieder finden wir in den Schriften der Psychoanalytiker die auch von Frauenärzten so oft erhobene Klage und den Vorwurf, dass die Frauen in puncto Geschlechtsleben so wenig aufrichtig sind, obwohl die unerlässliche Voraussetzung und Bedingung einer psychoanalytischen Behandlung rückhaltslose Offenheit gegen den Arzt ist. Wird nun trotz dieser conditio sine qua non, über die jede Patientin zu Beginn der Kur aufgeklärt wird, manches Erlebnis aus Scham verschwiegen oder beschönigt, um wieviel weniger kann es wundernehmen, wenn von dem sexuell-erotischen Leben der gesunden oder wenigstens gesund scheinenden Frau so gut wie nichts bekannt ist. Es ist dies nicht allein, wie man zumeist annimmt, ein fragwürdiger Erfolg der heutigen Mädchenerziehung zu grösster Schamhaftigkeit, die nicht selten in Prüderie und Heuchelei ausartet; es resultiert dies auch aus der Furcht vor der abfälligen Kritik, welche die Frau von seiten der Männer so gut wie ihrer Geschlechtsgenossinnen zu gewärtigen hat, wenn sie sachlich und nüchtern die Dinge bespricht, wie sie sind kraft der Triebe, die im Weibe ebenso nach Betätigung verlangen wie beim Manne.
Das heikelste Thema ist natürlich das der Masturbation. Wollen doch Hausärzte, denen die Symptome derselben an Kindern nicht verborgen sein können, kaum die Mahnung an die Eltern richten, ihr Kind in dieser Hinsicht zu beobachten und zu überwachen, geschweige denn, dass sie Erwachsenen gegenüber eine diesbezügliche Frage wagten. Es wirkt belustigend, zu sehen, was da oft an Mühe aufgewendet wird, dem anstössigen Thema durch alle möglichen Verlegenheitsfragen nach den Ursachen und Beschwerden der „Nervosität” tunlichst aus dem Wege zu gehen; und wie entsetzt wichen diese Herren zurück, hätte einmal eine Frau den Mut, spontan von den tiefsten und wahren Gründen ihres „nervösen” Leidens zu sprechen. Selbst Ärztinnen, die doch annehmen müssten, im Verkehr mit ihnen falle jede Scheu der Patientin weg, begnügen sich mit allerlei dürftigen Umschrei