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Es ist schon vielen alten Beobachtern aufgefallen, dass manche Kranke ihre Krankheit liebgewinnen und sie als ihren „alten Freund” bezeichnen. So wird eine öfter wiederkehrende Migräne der „alte treue Genosse” genannt; und wenn sie verschwindet, fühlt so mancher Kranker ein leise betontes Bedauern, den alten Begleiter verloren zu haben. Hypochonder sind in ihre Krankheit verliebt, sie sind stolz, dass niemand ein ähnliches Leiden aufzuweisen hat, dass sie die einzigen sind, welche so sonderbare Symptome zeigen und dass sich kein Arzt bei ihnen auskennen und ihnen helfen kann. Dieser Stolz auf das eigene Leiden ist bei allen Neurotikern ausserordentlich stark ausgeprägt und wird in keinem Falle vermisst. Mögen sie noch so sehr jammern und um Heilung flehen, im Innern ihres Herzens spricht eine Stimme: Nein, er wird dich nicht gesund machen, du willst ja gar nicht gesund werden! … Jede Neurose ist eine sehr kunstvolle komplizierte Erfindung des Kranken, die ihn gegen die Gefahren der Welt schützt und auf die er sehr stolz ist. Ein so kunstvolles Gebäude, in dem man sich so geborgen fühlt, wird nicht so ohne weiteres aufgegeben.
Bei meinen Forschungen im Gebiete der Traumsymbolik habe ich zwei neue Gebiete entdeckt: Die Religionssymbolik, die uns ein anderes Mal beschäftigen wird und die ich zum Teile in meinem neuen Buche „Die Träume der Dichter” veröffentlicht habe und die „Personifikationen der Neurose im Traume”. Je tiefer wir in das Wesen des Traumes eindringen, desto grösser wird die Fülle der Probleme, die sich uns aufdrängen. Ich verweise hier nur auf die wunderbaren Forschungen von Herbert Silberer über die Schwellensymbolik und seine Symbolforschungen überhaupt.
In zahlreichen Träumen von Neurotikern finden wir Darstellungen der Neurose, die meistens personifiziert erscheint. Die Symbole der Neurose sind mannigfache und erfordern erst eine genaue Erforschung. Aber diese Arbeit wird für die Praxis der Psychoanalyse lohnend sein, wie kaum eine zweite. Sie zeigt u