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Es liegt nahe, anzunehmen, dass Swedenborg an religiöser Paranoia gelitten habe, dass darin die Erklärung dafür zu suchen sei, dass ein hervorragender Gelehrter und praktisch Tätiger auf dem Gebiete der Naturwissenschaft, im 5. Jahrzehnt seines Lebens eines Tages von Gott persönlich dazu berufen wird, den Menschen den inneren Sinn der heiligen Schrift auszulegen, der Wissenschaft entsagt, seine Ämter niederlegt, sich vollkommen jenen überirdischen Erscheinungen und Aufträgen hingibt, und das, was er von den Geistern erfährt, was er selbst in dem ihm geöffneten Himmel sieht, mit stupender Produktivität in 100 geschriebenen Foliobänden niederlegt.
Da aber eine erschöpfende psychoanalytische Untersuchung Swedenborg's wohl insbesondere durch den Umfang seiner Werke, die übrigens zum grössten Teil ins Deutsche übersetzt sind, bisher nicht in Angriff genommen wurde, mag es interessant sein, zu sehen, wie selbst die kurzen Daten, die ich einem aus keineswegs spezialistisch interessierter Feder stammenden Buche entnehme1), sich doch zu einem lehrreichen pathologischen Bilde zusammenschliessen, das später einmal durch ausführlichere zur Verfügung kommende Daten ergänzt werden kann.
Die für den Psychoanalytiker bemerkenswerten Stellen des Aufsatzes lasse ich hier fast unverändert folgen:
Swedenborg (1688–1772) war der Sohn eines protestantischen Bischofs, der als ein tüchtiger Theologe und Mann von ehrenwertem, vielleicht etwas heissblütigem Charakter sich uneingeschränkter Achtung erfreute. Man hat behauptet, der Bischof sei mystischen Anschauungen zugetan gewesen und habe schon in den Knaben den Keim zu dessen späteren mystisch-theosophischen Spekulationen gelegt. Die Annahme scheint begründet zu sein, denn Swedenborg erzählt einem Freunde selbst, seine Gedanken wären von seinem vierten bis zu seinem zehnten Jahre beständig voll von Betrachtungen über Gott, über die Erlösung und über die geistigen Zustände der Menschen gewesen. „Ich offenbarte im Gespräch oft Dinge, welche mei