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Über die interessanten Assoziationsversuche des Autors an Kindern habe ich einmal bereits berichtet. Diesmal bespricht er die psychoanalytische Behandlung eines schwer psychoneurotischen 12jährigen Knaben an der Münchener Universitäts-Kinderklinik (M. v. Pfaundler). Bereits mit 5 und 8½ Jahren hatte der belastete und in einem ungünstigen Milieu (neurotische Mutter und hysterische Gouvernante) aufwachsende Knabe an Gehstörungen gelitten, die dann wieder vollständig gewichen waren. Seit einem Jahre waren wieder zunehmende Erscheinungen der Schwäche und Appetitlosigkeit aufgetreten, die sich in einem Naturheil-Sanatorium zu einem schweren Bilde gesteigert hatten: Schlaffe Lähmung des Nackens und beider Arme, schwer überwindbare spitzwinkelige Kontrakturen beider Beine, schwerste Anorexie und Obstipation, fast völlige Unbeweglichkeit. Per exclusionem stellt Gött die Diagnose eines auf dem Boden neuro- und psychopathischer Konstitution erwachsenen Komplexes neurasthenischer und hysterischer Symptome. Die mühevolle Behandlung führt nach 23 Wochen zu vorläufiger Heilung.
Für uns ist der Aufsatz aus einer führenden pädiatrischen Zeitschrift darum von Interesse, weil Gött nach einigen misslungenen therapeutischen Versuchen anderer Art es unternahm, den Patienten psychoanalytisch zu behandeln und darüber ausführlich berichtet. Er versuchte es mit Assoziationen, liess sich Träume berichten, sondierte mit Vorsicht die psychosexuellen Verhältnisse des Kranken, unterhielt sich stundenlang mit ihm. Es blieb schliesslich bei einer oberflächlichen Analyse und Nacherziehung etwa in den von Dubois eingehaltenen Grenzen. Die Schuld dürfte an der geringen Erfahrung des Autors und seiner eigenen Unsicherheit (eingestandene Skepsis gegenüber der Traumdeutung) gelegen sein. Immerhin muss man es ihm zum Verdienste anrechnen, dass er auf der Klinik für kranke Kinder den Quellen psychogener Erkrankungen mit unseren Methoden nachspürt.
Friedjung.