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Religiöse Ekstase und Sexualität. Wir wissen, wieviel sexuelle Gefühle ihren Ausdruck und ihre Ersatzbefriedigung in religiösen Schwärmereien und Ekstasen finden.
Die Person oder ein Bild des Gottsohnes spielt in den Äusserungen „heiliger Frauen” und Nonnen in dieser Hinsicht die grösste Rolle; „Von der Lieblichkeit der Einwohnung des Herrn”, „Von der Umarmung und dem Herzen des Herrn”, „Von der göttlichen Einströmung” heisst es u. a.
Maria Magdalena de ‘Pazzi (1566–1607) erzählt von sich:
„Ich sah, dass Jesus sich seiner Braut mit engster Einung vereinigte, sein Haupt auf das Haupt seiner Braut legte, seine Augen auf die ihren, seinen Mund, seine Hände, seine Füsse, alle seine Glieder auf die ihren, so dass die Braut ein Ding mit ihm wurde und alles wollte, was der Bräutigam wollte, alles sah, was der Bräutigam sah, alles kostete, was der Bräutigam kostete. Und nichts anderes will Gott, als dass die Seele sich ihm in dieser Weise vereinige und dass er ganz mit ihr vereinigt sei…. ”
Ferner wird über dieselbe berichtet: „Ausser der beständigen Inbrunst, die ihr das Herz schmelzen, sie unablässig an Gott denken, von Gott reden … machte und sie oftmals von Sinnen brachte und ganz in Gott setzte, kam sie zuweilen in eine so grosse Glut, dass sie sich nicht mehr in ihrer Brust verschliessen liess, sondern sich über ihr Angesicht, in ihr Tun ergoss und in ihren Worten ausbrach. Sie, die gewöhnlich infolge der Busseübung schwach, bleich und abgezehrt war, erstarkte ganz, wenn sie von diesen Flammen der Liebe überrascht wurde, und ihr Angesicht wurde voll und glühend. Sie fand keine Ruhe, kein Bleiben … Daher sah-man sie in diesen Ausbrüchen schnell von Ort zu Ort laufen; wie rasend vor Liebe ging sie durch das Kloster und rief: „Liebe, Liebe, Liebe!” Und da sie einen so grossen Brand der Liebe nicht ertragen konnte, sprach sie: „O mein Herr, nicht mehr Liebe, nicht mehr Liebe!” Zu den Schwestern sagte sie: „Mein Jesus ist nichts anderes als Liebe, ja toll von Liebe. Du bist, m