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Im vorigen Bande dieses Blattes1) habe ich eine Darstellung einer Reihe von lekanomantischen Versuchen geliefert. Für diejenigen Leser, denen meine Berichte hierüber nicht bekannt sind, will ich erwähnen, dass die Lekanomantie (aus λεχάνη, Becken, und μαντεἰα, Weissagung) einst jene Kunst der Weissagung war, bei der man die schauende Person in ein von Lichtern umgebenes, mit Wasser gefülltes Becken sehen liess. Ich stellte lekanomantische Versuche zu psychanalytischen Studien an, indem ich von der Voraussetzung ausging, dass die schauende Person in den sich ihr darbietenden Visionen dasjenige erblicken werde, was die Tiefen ihrer Seele beschäftigt; während also die Alten in der Lekanomantie ein Mittel zur Vorhersagung der Zukunft erblickten, sah ich darin vor allem einen interessanten Ausgangspunkt für psychanalytische Untersuchungen.
Meine Vermutungen trafen zu. Die Gesichte meiner Versuchsperson Lea wiesen mit steigender Deutlichkeit die erwartete Komplexkonstellation auf; den Augen der Schauenden bot sich — so wie's ja auch in den Träumen zugeht — in symbolischer Einkleidung das, was im Grund ihrer eigenen Seele ruht.
Wer meine Darstellungen verfolgt hat, wird auch bemerkt haben, dass die Versuche eine eigentünüiche stufenweise Entwicklung zeigten; leider sind sie aber gerade dann abgebrochen worden, als sie anfingen, ergiebig zu werden und immer lehrreichere Aufschlüsse zu versprechen. Wir sind nur bis auf zehn Experimente gekommen. Das ist wenig. Ich hätte lebhaft gewünscht, die Reihe fortzusetzen, allein die Versuchsperson weilt seit Herbst 1911, wo ich die Experimente wieder aufzunehmen gedachte, im Ausland, und so ist aus meinem Plane leider nichts geworden. Um nun nicht auf Ungewisses zu warten, muss ich trotz der mir wohl bewussten Mangelhaftigkeit des verarbeiteten Materials zur Mitteilung jenes wissenschaftlichen Ertrages schreiten, der sich aus der lekanomantischen Versuchen zu ergeben scheint. Eines wissen wir natürlich bereits: dass die Lekanoskopie2) s