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Die Zusammenhänge zwischen Schöpfungstrieb und Zerstörungstrieb werden von mir in meinem neuen Buche „Die Träume der Dichter” ausführlich behandelt. Es entspricht dem Gesetze der Bipolarität, dass der schaffenden Kraft eine destruktive Tendenz beigesellt ist. Für diese Behauptung bringt das Buch von Hesse viele Belege. Es zeigt uns den Verbrecher als einen Mann mit hervorragenden dichterischen Anlagen. Es ist erstaunlich, die verschiedenen Briefe der Raubmörder, Anarchisten und Apachen zu lesen. Alle haben das Bedürfnis, Memoiren zu schreiben und der Nachwelt ihren Ruhm zu verkünden. Alle sind kindisch und eitel. Die meisten kennen die Furcht nicht. Sie sind areligiös und amoralisch. Sie sind infantile Typen, meist bartlos, schon im Äusseren als Kinder zu erkennen. Und man merkt aus diesen Briefen, Memoiren und Geständnissen, dass es sich um kranke Menschen handelt, um faule Früchte einer kranken Zeit. Die Verbrechen der Gesellschaft zeugen die Verbrechen des Individuums. Wie viele dieser Typen, die Hesse vorführt, wären in einem anderen Milieu sozial brauchbare Menschen geworden!
Ich bedauere, dass nur die französischen Verbrecher berücksichtigt wurden. In bezug auf künstlerischen Schaffensdrang wäre der Attentäter Passanante, der sich an König Humbert vergriff, interessant gewesen, Er war Philosoph, Komponist, Gesetzgeber und bildender Künstler. Er formte im Gefängnis aus Brot, das er mit Rötel färbte, Werke von überraschender künstlerischer Wirkung. In seinen Briefen zeigte er wirkliche Genieblitze. Was Lombroso begonnen, die vergleichende Forschung des Verbrechers, wäre jetzt mit den Kenntnissen der Psychoanalyse fortzusetzen und auszubauen. Die Analyse der Verbrecher — auch Zukunftsmusik. Aber eigentlich sollte man jeden Verbrecher einer analytischen Untersuchung unterziehen, ehe man ihn verurteilt….
Stekel.