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Ein schwerer Zwangsneurotiker führt sich bei mir mit der folgenden Anamnese ein:
„Ich bin schon seit 6 Jahren krank. Zu Anfang habe ich bloss Angst vor der Syphilis gehabt. Eines Abends vollzog ich einen Koitus mit einem Mädchen. Am nächsten Morgen erzählte ich es meinem Bruder1). „Warum tust du es”, sagte er, „sie verkehrt doch mit N. und der hat die Syphilis.” Das hat mich sehr erschrocken, die Haare standen mir zu Berge. Gleich bin ich zu einem Arzt hingelaufen. Seitdem finde ich keine Ruhe. Ich leide an Angst vor Syphilis, vor Wahnsinn; die ganze Welt scheint mir anders geworden zu sein, ich bin immer traurig, nichts ist mir lieb etc.”
Drei Tage nachher, schon während der psychoanalytischen Kur, bringt er eine Korrektur der Anamnese: „Ich habe es ganz vergessen, und gestern kam es mir plötzlich in den Kopf. Kurze Zeit vor meiner Erkrankung war meine zweite Lieblingsschwester sehr schwer an Typhus krank. Ich habe sie hauptsächlich gepflegt, habe Urlaub genommen und Tag und Nacht an ihrem Bett verbracht, sie sogar gebadet etc. Eines Tages ging ich in’s Klosett und dabei, meiner Gewohnheit nach, untersuchte ich meine Genitalien, weil ich, seitdem ich eine Gonorrhöe gehabt habe, es immer so mache. Da glaubte ich am Penis ein Bläschen bemerkt zu haben. Ich erschrak fürchterlich und im selben Augenblick ging mir der Gedanke durch den Kopf: „Du kannst noch deine Schwester anstecken”, ein Gedanke, der mich mit Schauer erfüllte. Am nächsten Tag ging ich zum Arzt, aber vom Bläschen war nichts zu merken.”
Dazu ist noch folgendes zu bemerken: Während der mehrwöchentlichen Pflege der kranken siebzehnjährigen Schwester (Pat. war damals 22—23 Jahre alt) verliess Pat. das Haus fast gar nicht, und den letzten Koitus hatte er mindestens sechs Wochen vor dem mitgeteilten Vorfall. Das war aber zugleich sein erster Koitus nach einer schweren Gonorrhöe, die ungefähr ein Jahr dauerte und ihn „fast bis zur Verzweiflung quälte”.
Am nächsten Tag nach dieser Mitteilung kommt Pat. von selbst a