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Im Gegensatz zum Bewusstseinspsychologen, dem die Selbsterforschung gleichbedeutend mit der Absuchung des Bewusstseinsfeldes ist, wird der Psychoanalytiker keine Bewusstseinstatsache arglos hinnehmen, „sondern wird immer darauf gefasst sein, dass sich darunter Unbewusstes ganz anderer, vielleicht gar entgegengesetzter Qualität verberge”. Die seit jeher gestellte Vorfrage der Ethik: „woher erhalten die ethischen Imperative ihre bestimmende Kraft?”, muss daher vom Psychoanalytiker eine weit tiefergehendere Beantwortung erfahren, als dies von der Bewusstseinspsychologie bisher geschehen ist, die meistens bloss eine historische Aneinanderreihung verschiedener Phasen der phylogenetischen und ontogenetischen Entwicklung gibt oder sich mit der Feststellung von Bewusstseinstatsachen begnügt (Kant’s Gefühl der Achtung vor dem moralischen Gesetz), während für den Psychoanalytiker diese Bewusstseinstatsachen nichts Primäres, sondern etwas Abgeleitetes bedeuten. Daraus folgt, dass die Psychoanalyse es sein muss, welche die Lösung der Frage „nach dem Ursprung der Ethik als eine Erscheinung des individuellen psychischen Lebens” in Angriff nehmen muss. Die phylogenetisch erworbene Disposition, die Annahme einer Art sozialen Instinktes, die von mehreren Autoren in den Vordergrund gerückt erscheint, wird auch vom Verfasser nicht abgelehnt, sondern im Gegenteil als eine Bedingung der ethischen Erziehbarkeit angesprochen, doch kann diese Annahme gerade jene Fälle, wo die Ethik ihre „höchsten Triumphe feiert”, nicht erklären und dazu kommt, dass ethisch handeln und im Interesse der Gesellschaft handeln, keineswegs immer identisch sind.
Zur Beantwortung dieser grundlegenden Vorfrage jeder Ethik wird Adler’s Lehre von den Minderwertigkeitsgefühlen und ihrer Kompensation herangezogen und zwar für den speziellen Fall der Wirkung von Imperativen auf die Seele des Kindes:
„Es ist leicht einzusehen, wie sehr die reiche Reihe ethischer Imperative, die dem Kind...... als Gebote der Wohlanständigk