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Auf dem III. Psychoanalytischen Kongress, der im September 1911 in Weimar stattfand, hat C. G. Jung als Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung eine eigenartige Erklärung abgegeben. Er mahnte die Mitglieder zu „zähem Festhalten an den einmal gewonnenen Prinzipien” und warnte sie vor „umstürzenden und unberechtigten Veränderungen”. Von der offiziellen Lehre abweichende wissenschaftliche Bemühungen wurden als „wilde” Psychoanalyse gebrandmarkt. Es wurde als Aufgabe des Vereines bezeichnet, solche Bestrebungen „zu desavouieren und bei sich nicht zu dulden” und den Ortsgruppen wurde es ausdrücklich zur Pflicht gemacht, auf ihre Mitglieder in diesem Sinne einzuwirken1). So stellte diese Erklärung einen Versuch dar, eine organisierte Freud'sche Orthodoxie zu konstituieren. Ein solches Unternehmen schien nicht nur mit dem Wesen wissenschaftlicher Forschung in Widerspruch zu stehen, es musste sich auch von allem Anfang an die Vermutung aufdrängen, dass es auf die Dauer kaum durchführbar sein werde.
Die tatsächliche Entwicklung hat diese Vermutungen weit überholt. Ein Jahr ist erst seit jener Erklärung verflossen und schon hat sie nur mehr historischen Wert. Wer die jüngsten Veröffentlichungen des Freudkreises aufmerksam verfolgt, dem kann es nicht verborgen bleiben, dass sich das geforderte „zähe Festhalten”, was die gefährdeten Punkte des Freud'schen Systems anlangt, nur auf einige charakteristische Termini erstreckt, nicht aber auf ihren Inhalt. Was man festlegen wollte, ist wieder in Fluss und lebhafte Bewegung gekommen. Und der jene Erklärung abgegeben hat, nimmt unter den Neuerern eine führende Rolle ein. Diese Wandlung, die sich so gewissermassen gegen den Willen der Beteiligten vollzogen hat, scheint mir ein starker Hinweis darauf, dass wichtige Teile des Freud'schen Lehrgebäudes einen Umbau gebieterisch erfordern; so gebieterisch, dass es mich zweifelhaft dünkt, ob Freud selbst sich auf die Dauer dem Zuge, der durch seine Schule geht, wird entzie