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Für viele Neurologen ist das Verhalten des Menschen gegen Alkohol ein Symptom, das wichtige Rückschlüsse gestattet. Belastete sollen sehr wenig Alkohol vertragen und leicht berauscht werden. Bei solchen Menschen lösen schon kleine Alkoholdosen unheilvolle Triebhandlungen aus. An diesen Tatsachen ist nicht zu zweifeln. Ich will nun einige Beobachtungen mitteilen, welche beweisen, dass bei der Alkoholtoleranz auch psychologische Motive neben der organischen Disposition eine Rolle spielen können. Es verhält sich mit dem Rausche ähnlich wie mit dem Schlafe. Es gibt Menschen, die an einer Angst vor dem Schlafe leiden und andere zeigen den Willen zum Schlafe. Wir schlafen nicht nur, weil wir müde sind, sondern weil das Unbewusste herrschen will. So gibt es auch einen Willen zum Rausch. Dagegen könnte sprechen, dass manche Neurotiker sich einen Rausch antrinken wollen und nicht berauscht werden. Das beweist natürlich nichts, als die Existenz eines Nebenwillens. Dieser Nebenwille sträubt sich gegen den Rausch und sagt: „Du darfst das Bewusstsein nicht verlieren! Denn sonst.….”
Ich behandle einen Mann, der sich eine sehr komplizierte Perversion, eine wunderliche Art von Fetischismus zurechtgezimmert hat. Es drängt ihn immer wieder, seinen Trieben nachzugehen und irgend einem Fetisch nachzulaufen, ihn anzusprechen usw…. In seiner Verzweiflung beginnt er sich Mut anzutrinken. Allein nach einigen Gläsern tritt ein Ekel ein, der es ihm unmöglich macht, weiter zu trinken. Als ob eine Stimme in seinem Innern, eine Stimme, die er aber nicht vernimmt, sagen würde: „Jetzt hast du genug getrunken, jetzt könnte es gefährlich werden!” Versucht er weiter zu trinken, so muss er sofort erbrechen. Wir sehen hier den Ekel wie in vielen anderen Fällen, als Schutzwall gegen die Triebe. Er steht direkt im Dienste einer moralischen Tendenz, um das Individuum gegen sich selbst zu schützen. Ein anderes Mal trinkt dieser Kranke sehr viel und wird trotzdem nicht trunken. Das heisst, sein Bewusstsein