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Zur Theorie des psychogenen Stotterns und der Schwerhörigkeit, welche in den letzten Jahren die Psychoanalyse vielfach beschäftigt hat, möge die Charakteristik des alten Grandet in Honoré de Balzacs Roman „Eugénie Grandet” eine Illustration liefern. Vater Grandet, der seine bäurische Unsicherheit durch die Anhäufung immenser Reichtümer überwinden will, dann das Prototyp eines neurotischen Geizhalses wird und
ohne reale Befriedigung seines Ehrgeizes es sich am blossen Machtbewusstsein genügen lässt, stottert zeitweilig und ist gleichzeitig schwerhörig. Und zwar immer gerade dann, wenn es gilt, eine wichtige geschäftliche oder private Entscheidung zu treffen, wie er auch ein Geschäft nie bei der ersten Unterredung abschliesst, sondern den anderen Teil jedesmal mit einem „Wir werden sehen” vertröstet. Diesen Sprach- und Gehörfehler hatte er aber nicht seit jeher, sondern er nahm ihn erst nach einem für ihn bedeutsamen Erlebnis an. Als er noch nicht so reich gewesen war, war es einmal einem jüdischen Händler gelungen, ihn trotz seines kniffigen Verstandes zu übervorteilen. Der Händler stotterte entsetzlich und legte im Gespräch seine Hand muschelförmig ans Ohr, um besser zu verstehen. Grandet war durch dieses fortwährende Stottern ungeduldig geworden und hatte die Worte und Sätze, die sein Gegner nicht herausbrachte, ergänzt. Und darum war er überlistet worden; denn er war dadurch gezwungen, das zu sagen, was der Händler sagen wollte, so zu raisonnieren, wie dieser raisonnierte und sich infolgedessen schliesslich ganz im Gedankengeleise des Stotterers zu bewegen. Diesen Trick imitierte Grandet nun in Zukunft, indem er bei allen wichtigen Anlässen so arg stotterte, dass sein Gegner ungeduldig wurde und, da er ausdrückte, was Grandet selbst vorbringen wollte, endlich ohne es zu wissen auch dessen Standpunkt einnahm und seinen eigenen verliess. Ebenso war es mit seiner Schwerhörigkeit, die ihm selbst Zeit zur Überlegung ließ, während der Gegner gezwungen war, ununterbroc