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Wer meint, dass die Wiener psychologische Schule, die, mit einer neuen und eigenartigen Methode arbeitend, ganze (wenn auch verschiedenartige) Systeme des psychischen Geschehens konstruiert hat, wirklich Positives, wissenschaftlich Wertvolles geleistet hat, der kann nicht erwarten, in einem 14 Seiten langen Aufsatz Aufklärungen zu finden, die über das in den Schriften Fred's oder Adler's Gegebene hinausgehen. Besonders, da der Verfasser nur auseinandersetzen will, in welcher Richtung beiläufig er sich die Lösung des Rätsels der Hysterie gelegen denkt.
Andererseits macht es der Mangel eines ausgearbeiteten Systems und einer besonderen Methode wieder bemerkenswerter, wenn Weber's Beitrag zur Lösung des Neurosenproblems sich so nah mit den Ergebnissen von Adler's Forschungen berührt, wie im Folgenden gezeigt werden soll.
Im ersten Teil der Arbeit werden rein deskriptiv zwei Fälle berichtet, die uns weiter nicht beschäftigen sollen, im zweiten Teil entwickelt Weber ziemlich theoretisch, unter geringer Bezugnahme auf die vorher mitgeteilten Fälle, seine Hysterietheorie. Anknüpfend an die Auffassung Hippokrates', die Hysterie komme von einer Erkrankung der weiblichen Geschlechtsteile, erklärt Weber, der natürlich auch eine männliche Hysterie kennt, sie sei begründet in einer „Übertreibung oder Unordnung der tertiären weiblichen Geschlechtscharaktere”. So nennt er psychische Eigenschaften „weiblicher” Art, die sich entsprechend der bisexuellen Theorie auch beim Manne finden sollen. Jedem, der mit Adler's Theorien vertraut ist, wird auffallen, wie nah dies dem Ausdrucke Adler's kommt: der Neurotiker glaube sich in einer weiblichen Rolle zu befinden und bediene sich weiblicher Mittel zum männlichen Protest. Dass es sich aber nicht nur um eine Annäherung in der Ausdrucksweise handelt, sondern dass Weber wirklich eine ähnliche Erscheinung im Auge hat wie Adler, sieht man später. Mehrere Klassen