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Als eine sehr häufig anzutreffende Maske der Homosexualität habe ich die Liebe zu einer Frau beschrieben, deren Mann man liebt. Es ist dies der bekannte Umweg über das Weib. Maupassant, der feine Psychologe, schildert in der Novelle Misti, die sich in dem gleichbenannten Novellenbande als erste befindet, einen Don Juan, der nur verheiratete Frauen lieben kann, deren Männer ihm gefallen. Er hat einen wahren Abscheu vor Mädchen. „Es ist eine Schwäche” — führt er aus — „aber ich gestehe sie freimütig. Ich habe aber noch eine Schwäche: Ich liebe die Männer meiner Maitressen. Ich bekenne auch, dass gewisse kommune oder prahlerische Gatten mir ihre Frauen verekeln, mögen sie noch so scharmant sein. Aber wenn der Ehemann Geist hat oder den Zauber der Persönlichkeit („charme”), dann werde ich unfehlbar wahnsinnig verliebt. Ich bewahre mir die Freundschaft des Mannes, wenn ich mit seiner Frau breche. Auf diese Weise habe ich meine besten Freunde gewonnen. Auf diese Weise konnte ich viele Male die Überlegenheit des Mannes über das Weib konstatieren. Diese macht dir alle mögliche Verlegenheiten, Szenen, Vorwürfe; jener behandelt dich wie die Vorsehung seines Hauses, obgleich er wirklich ein Recht hätte, sich zu beklagen.” Diese Zeilen sprechen deutlich genug. Übrigens findet sich in dem Novellenbande Misti noch eine Reihe feiner psychologischer Details, auf die ich gelegentlich noch zurückkommen werde.
Stekel.