You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Schwester einer Malerin klagte über Leibschmerzen und legte sich aufs Sofa in die Position, die ihr am meisten Erleichterung gab: etwas gekrümmt, mit angezogenen Beinen, den Rücken gegen den Beschauer gekehrt. Der Malerin schien die Lage charakteristisch und sie fixierte dieselbe in einer Skizze, von der sie nicht besonders viel hielt, die sie aber doch mit andern Bildern nach Berlin zur Ausstellung sandte. Zum eigenen Erstaunen der Künstlerin wurde die Skizze zur Ausstellung angenommen, während nach ihrer Ansicht wertvollere Sachen zurückgewiesen wurden. Ein biederer Mecklenburger kam mit Frau und Tochter vor das Bild und rief voll Entzücken: „Ach, sieh’ da, ein hübsches Bild. Siehst Du, die liegt einmal richtig.” Und er kaufte die Skizze sofort, ohne wahrscheinlich zu ahnen, wie viel er mit dem Ausruf verraten hatte. — Vielleicht haben bei der Jury ähnliche Seelenstimmungen die Annahme des Bildes bewirkt.
In einer jungen Ehe besteht ein tiefes Zerwürfnis zwischen den Gatten. Das kleine, 16 jährige Dienstmädchen verrät ihr Verständnis der Sachlage und ihre Lebenskenntnis sehr hübsch, indem es beim Tischdecken mit Vorliebe vergisst, dem Hausherrn ein Obstmesserchen zu geben und indem es überdies gleichzeitig einmal der Hausfrau kein Wasser in die Fingerschale gibt.
Dr. Marg. Stegmann.