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Zum Thema Enuresis, Harnreiztraum, psychische Hemmung finde ich eine überraschend kenntnisreiche Stelle in dem in der Goethe-Zeit geschriebenen autobiographischen Roman, betitelt „Anton Reiser”, von B. P. Moritz:
„Es fällt auch wirklich in der Kindheit oft schwer, das Wachen vom Traume zu unterscheiden; und ich erinnere mich, dass einer unserer grössten jetzt lebenden Philosophen mir in dieser Rücksicht eine sehr merkwürdige Beobachtung aus den Jahren seiner Kindheit erzählt hat.
Er war wegen einer gewissen bösen Angewohnheit, die bei Kindern sehr gewöhnlich ist, oft mit der Rute gezüchtigt worden. Ks hatte ihm aber, wie es auch gewöhnlich ist, immer sehr lebhaft geträumt, er habe sich an die Wand gestellt und … Wenn er sich nun manchmal bei Tage zu dem Ende wirklich an die Wand gestellt hatte, so fiel ihm die harte Züchtigung ein, die er so oft erlitten hatte — und er stand oft lange an, ehe er es wagte, einem dringenden Bedürfnis der Natur Genüge zu tun, weil er befürchtete, es möchte wieder ein Traum sein, für den er wieder eine scharfe Züchtigung erwarten müsste — bis er sich erst allenthalben umgesehen und dann auch in Ansehung der Zeit zurückgerechnet hatte, ehe er sich völlig überzeugen konnte, dass er nicht träume.”
Dr. E. Hitschmann.