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Der Dichter als Seelenarzt. Der berühmte französische Romancier Marcel Prévost legt in einer kleinen Novelle „Der Andere” dem Helden, einem Arzt, folgende Worte in den Mund: „Übrigens habe ich schon früher ziemlich gründlich Nervenleiden der Frauen studiert. Ich habe mich überzeugt, dass deren Ursache immer ein Liebesgeheimnis, oder eine traurige Geschichte einer sexuellen Anomalie ist. Solange der Arzt das Geheimnis nicht erfährt, behandelt er auf's Geradewohl. Unsere Kunst besteht darin, die Kranke zu bewegen, uns ihr Geheimnis mitzuteilen.”
Es ist doch merkwürdig, dass einem Mann, der Nervenleidende nur zufällig vorübergehend, nicht systematisch, laienhaft und nicht professionell beobachtet, Tatsachen nicht entgehen, die Männer von Beruf, Spezialisten, die ihr Leben lang in ernster Arbeit dem Studium der Nervenkrankheiten widmen, nicht merken. Alles nur auf den Unterschied in der Beobachtungsgabe zurückfuhren zu wollen, wäre doch wenig befriedigend. Die Ursachen müssen tiefer liegen und ihre Aufdeckung und Darstellung wird einst eine der interessantesten Seiten einer zukünftigen Geschichte der Medizin, ja, vielleicht der ganzen gegenwärtigen Kultur sein.
Dr. F. Wulff.