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„Es wäre schön,” sagte mir eines abends ein als gesund geltendes Mädchen, „wenn man sich selbst lieben könnte. Da gäbe es keine Sehnsuchtsschmerzen auf der Welt, weil man ja sich selbst stets treu bleiben würde.”
”Passen Sie auf, was Sie diese Nacht träumen werden,” meinte ich darauf.
Nächsten Morgen erzählt die junge Dame: „ Ich träumte, es wurde mir ein menschlicher Fuss zum Essen gereicht, den ich bald als meinen eigenen Fuss erkannte. Ich ass ein wenig mit grossem Widerwillen, weil ich doch nicht anders sein wollte, wie die übrigen Menschen, welche, ohne den geringsten Anstoss daran zu nehmen, menschliches Fleisch essen. Eine Weile konnte ich mich so überwinden, aber dann war die Abscheu doch zu gross: wenn ich den Fuss nicht gesehen hätte und nicht wissen würde, dass er ein menschlicher und, noch schrecklicher, mein eigener Fuss ist, dann würde ich ihn schon essen. So geht das über meine Kräfte.”
Der Traum leuchtet jedem als Darstellung der Selbstbefriedigung in Esssymbolik ein. Die Symbolik ist eine der typischen, denn sie ist der Völkerpsychologie geläufig. Die philogenetische Disposition und entsprechende kindliche Spiele (Erlebnisse) dürften das Material zu diesem Traume liefern. Man weiss ja wie gerne die Kleinen den Fuss in den Mund nehmen zum Lutschen und in einem gewissen Alter wird geradezu Sport damit getrieben, wer noch die Grosszehe in den Mund stecken kann.
Warum das Mädchen gerade diese und nicht eine andere Symbolik zur Darstellung der Selbstbefriedigung1) wählte — darüber könnte nur eine genauere Analyse Auskunft geben.
Dr. S. Spielrein.