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Darf ich den Raum des Zentralblattes noch ein wenig in Anspruch nehmen, um den Zweck meines vor dem Weimarer Kongress 1911 gehaltenen Vortrags, den Herr Dr. Theodor Reik die Güte hatte in der Oktober-Nummer zu besprechen — freilich ein wenig verspätet —, zu erklären?
Hoffentlich wird mich der Herr Referent entschuldigen, wenn ich gleich hier sage, dass ich nach der Lektüre seiner Rezension nur noch inniger überzeugt bin von der Berechtigung und den praktischen Wert meiner Argumente; ich will aber auch zugleich zugeben, dass es mir selber klar wurde, dass ich in meinen psychoanalytischen Kollegen nicht dasselbe Gefühl hervorzurufen vermocht habe, das mich selbst zu diesem Vortrag bewogen hat.
Es waren hauptsächlich vier Grundsätze, die ich zu verteidigen suchte.
Erstens behauptete ich, dass, wenn Psychoanalytiker das engere Gebiet rein therapeutischer Arbeit verlassen (wie sie es ja vielfach getan haben, um als Seelenkenner hervorzutreten), sie verpflichtet wären, um der Wissenschaft und sich selbst gerecht zu werden, auch alle jene anderen Deutungsmethoden sorgfältig und wohlwollend zu studieren, durch welche die Handlungen und Motive normaler Menschen schon früher erklärt worden sind. Dies gilt vor allem von den Deutungsmethoden der Philosophie, die gerade ihrer Wichtigkeit und ihrer Subtilität wegen allen Psychoanalytikern von besonderem Interesse sein sollten.
Das Studium der Philosophie und der Metaphysik ist in den letzten fünfzig Jahren von den Naturwissenschaftlern so ungebührend vernachlässigt worden, dass viele heute die Überzeugung haben, diese Versuche, das menschliche Leben zu interpretieren, könnten nichts wesentliches zutage fördern. Das aber ist ein ernster Fehler. Es ist meine Meinung, dass gerade die Psychoanalytiker imstande wären, wertvolles Material herbeizuschaffen, um das Ansehen der Philosophie und der Metaphysik unter