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Als ein besonders heiliges Dogma galt in der Psychoanalyse der Grundsatz: Der Patient hat die Führung! Dieser Satz hat gewiss seine Berechtigung. Es ist lächerlich, sich vorzunehmen: Heute will ich den Inzestkomplex besprechen, morgen rede ich über das Verhältnis zum Vater usw. Die Kranken müssen auch für die bestimmten Fragen reif sein. Der richtige Psychoanalytiker fühlt es schon, was besprochen werden soll, ja was sogar besprochen werden muss. Aber wehe dem Arzte, der vollkommen kritiklos seinem Patienten die Führung überlässt und die Einfälle des Analisierten für souverän erklärt! Da ist der Willkür Tür und Tor geöffnet und der Analysierte hat es in seiner Hand, den Arzt bei der Nase herum zu führen und die Analyse ad infinitum zu verlängern. Der Arzt muss eben auch die Einfälle einer Kritik unterwerfen und muss erkennen, was wertvoll ist und was nur aus Gründen des Widerstandes vorgebracht wird. Er muss Weizen von Spreu sondern können und immer gewärtig sein, rechtzeitig einzugreifen. Das ist gar nicht so leicht, weil der empfindliche Kranke rasch gekränkt wird und immer mit grosser Zähigkeit die Bedeutung seiner Einfälle verteidigt. Ja aus der Verteidigung schmiedet er seine sinnreichen Waffen der Obstruktion und passiven Resistenz.
Alle aktuellen Erlebnisse, die breit vorgetragen werden, die Briefe vom Hause und der Geliebten, die aufregenden Szenen des Vortrages, viele endlose Träume, die in ungeheueren Mengen produziert werden, sind Widerstandsphänomene und es handelt sich darum, diese Mitteilungen mit eiserner Energie auf das notwendigste Mass zu beschränken, die Einwände gegen die Psychoanalyse theoretischer Natur zu ignorieren und die Obstruktion durch eine eiserne Geschäftsordnung zu brechen.
Ich will dies gleich an einem Beispiele des heutigen Tages erläutern. Herr N. beginnt die Sitzung mit der Verlesung eines Briefes, den er an seine Braut geschrieben hat und der mit die Bipolarität seines Wesens veranschaulichen soll. Ich habe schon ein Dutzend dieser