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Ein sehr intelligenter Patient schreibt mir: „Haben Sie schon darüber nachgedacht, dass wir an manchen Tagen Ähnlichkeiten entdecken und an anderen gar nicht? Sie wissen sicherlich, dass die Neurotiker und die Normalmenschen gerne Ähnlichkeiten konstruieren, wenn sie Identifizierungsprozesse vollziehen. Der Liebende findet, dass die Geliebte den Gang der Mutter, ihre Sprache zeigt, und wenn die Physis keine Vergleiche
zulässt, so findet er die gleiche Seele, die gleichen Eigenschaften, die gleichen Fehler. Aber das Phänomen, von dem ich sprechen will, ist ein ganz anderes. Ich sah an einem Vormittage einen Mann, der meinem Freunde, dem Maler X., zum Verwechseln ähnlich sah. Ich gehe auf ihn zu und sage: Servus X. — noch immer in dieser Täuschung befangen. Ein fremdes Gesicht mit der gleichen Bartform starrt mir entgegen. Mit der üblichen Entschuldigung beende ich diese Szene und gehe weiter. Nach einer Weile sehe ich wieder meinen Freund X., diesmal etwas nebelhafter, nicht mit der gleichen Präzision wie vorher. Ich kann auch diese Illusion gleich korrigieren.
Nun wird mein psychologisches Interesse geweckt und es fällt mir ein, dass meine Frau mir des Morgens gesagt hatte, sie mache heute Vormittag beim Maler X. einen Besuch. Ich nahm gleichgültig davon Notiz und bat, herzliche Grüsse zu bestellen. Im Unbewussten spann sich ein gewisses Misstrauen. Dem Bewusstsein vollkommen fremd. Meine Frau geht zum Maler, der sie verehrt und ihr den Hof macht. Maler sind leichtsinnige Menschen, die es nicht sehr genau nehmen. Wer weiss, ob deine Frau genug Widerstandskraft aufbringen wird?
Diese geheimen Befürchtungen führten zu einer Symptomhandlung. Ich sprach einen fremden Herrn als Maler X. an. Also eine Wunscherfüllung. Denn wenn X. auf der Strasse ist, so kann er jetzt unmöglich in seinem Atelier sein. Ich wünsche, dass er nicht zu Hause sein soll. Meine Frau soll ins Atelier kommen und dort vernehmen: Herr X. ist nicht zu Hause…. Dieser Wunsch setzte sich dreimal durch. D