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Verf. sieht in der Neurose den „Versuch, ein hochgespanntes Persönlichkeitsideal zu erreichen, während der Glaube an die eigene Bedeutung durch ein tiefsitzendes Minderwertigkeitsgefühl erschüttert ist”. Das Gefühl der Minderwertigkeit soll resultieren aus körperlich vermittelten Empfindungen der Schwäche, des Leidens, der körperlichen und psychischen Unsicherheit, die wiederum die Folge der Minderwertigkeit der aus einem minderwertigen Keimplasma hervorgegangenen Organe sind. Es wird verstärkt einerseits durch Realien, unter denen die konstitutionellen Erkrankungen des Kindesalters eine dominierende Stellung einnehmen, andererseits durch subjektive Tatsachen, die die Position des Kindes im Rahmen der Familie, seine Eindrücke und Wertungen von Schwierigkeiten der Welt, der Zukunft betreffen. Um das im Drange der Welt von mannigfachen Unfällen bedrohte Persönlichkeitsideal zu schützen, sollen „die sonderbarsten Attitüden, Umwege, die stärksten Sicherungen, Sonderbarkeiten, Krankheitsbeweise, neurotische und psychotische Erscheinungen sowie planmässige Aggressionshemmungen” erforderlich werden; letztere, um gefährlichen Entscheidungen und vermuteten Niederlagen auszuweichen.
Die im wesentlichen bereits aus früheren Publikationen des Verf. bekannten Ausführungen bilden einen interessanten und wertvollen Beitrag zum Verständnis des nervösen Charakters. Seine Auffassung vom Wesen der Neurose wird man nichtsdestoweniger als zu einseitig bezeichnen müssen und sich mit der geringen Einschätzung des sexuellen Faktors bei der Genese der Neurose auch dann nicht einverstanden erklären, wenn man nicht zu den unbedingten Anhängern der Freud'schen Lehre gehört. Eine Frau, die wie die Patientin, von der Verf. berichtet, die symbolische Verwandlung in einen Mann durchsetzen will und in der absoluten Mannähnlichkeit ihr Persönlichkeitsideal sieht, ist unter allen Umständen mit den Augen des Sexualpathologen zu betrachten. Denn an dem Aufbau dieses Ideals sind ja Sexualregungen in herv