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Ein 19 jähriges, im Kloster zu schwärmerischer Frömmigkeit erzogenes, mittelloses Mädchen wird von einem 49 jährigen, geschiedenen Viehhändler als Hausgenossin zu seinen zwei erwachsenen Töchtern aufgenommen.
Eine sexuelle Annäherung des Mannes im Anfang ihres Aufenthaltes wehrt sie ab, indem sie niederkniet, sich die Brust entblösst und ausruft: „Lieber ein Messer, als mir die Unschuld rauben lassen”. Sie bekehrt mit ihrer Frömmigkeit den Viehhändler, wird von ihm zu spiritistischen Versuchen verwendet und entwickelt sich bald zu einem guten Medium, schreibt Geisterbriefe, bekommt Anfälle, in denen sie wild um sich schlägt, und grosse Unordnungen anrichtet, weil sie mit dem „bösen Feind” kämpfen müsse. Der Viehhändler sass bei diesen Anfällen häufig an ihrem Bett, hielt sie und küsste sie, weil dadurch der böse Geist entweichte!
Durch dieses Gebahren und durch Christusvisionen mit ganz offensichtlich sexuellem Inhalt gewinnt sie unbeschränkte Macht über den Viehhändler, der sie für etwas „Übernatürliches” hält und ihr beträchtliche Geldsummen zuwendet, um ihr den Eintritt in ein Kloster zu ermöglichen.
Auf einer Reise vor dem projektierten Eintritt ins Kloster benimmt sie sich sehr lebenslustig; „ihr Charakterbild schwankt in allen Abstufungen von der Heiligen bis zur Dirne”.
Die geschiedene Gattin des Viehhändlers, die mit diesem aber auf freundschaftlichem Fusse steht, erhebt Strafanklage, in der sie das Mädchen als Schwindlerin denunziert.
Das Mädchen wurde freigesprochen, weil ihr nicht nachgewiesen werden konnte, dass sie sich den Mann zum Zwecke der Ausbeutung unterwürfig gemacht habe. Der Viehhändler, ein bis dahin sehr angesehener Mann, der seine Geschäfte gut geführt und sich ein hübsches Vermögen erworben hatte, wurde als geistesschwach entmündigt.
Marg. Stegmann.