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Seiner allgemeineren Arbeit „Zur Psychologie und Psychopathologie des Dichters (Grenzfragen Heft 80) lässt Hinrichsen hier eine spezielle Studie über die Bedeutung der aus dem geschlechtlichen Triebleben des Dichters für seine Produktion stammenden Impulse folgen. Der Autor scheidet in der Betrachtung das Psychisch-Sexuelle scharf vom körperlich Geschlechtlichen, und für den Dichter als Phantasiemenschen scheint ihm das Überwiegen des ersteren über das letztere charakteristisch. Die Untersuchung der Psychosexualität einer Reihe untereinander sehr verschiedener Dichterindividualitäten (vor allem Goethe's, Grillparzer's und Holtei's) führt ihn zu dem Ergebnis, dass die hervorstechendste Art ihrer Erotik sich als „Phantasieliebe” kennzeichnen lasse, d. h. als eine Liebe, die sich nach zwei Richtungen hin von der Realität entferne. Sie ziele gar nicht eigentlich auf den Besitz des Liebesobjektes, sondern sie schrecke vor diesem Besitz manchmal geradezu zurück, sie liebe oft gerade dort, wo der höchste Liebesgenuss ausgeschlossen sei, oder sie erkalte sofort, wenn sie ihn erlangt habe. Und dann sei das Gefühl lebhafter, äussere sich stürmischer in Abwesenheit der Geliebten als in ihrer Gegenwart. Diese Stellung zur Realität bringt Hinrichsen damit in Zusammenhang, dass dem Dichter eben sein Dichten höchstes Lebensinteresse sei und er in einem gewissen Sinn sein Leben und auch sein Lieben in den Dienst der Dichtung stelle.